Weisst du ob dein Kind Ängste hat?

Wacht dein Kind nachts oft auf und schläft phasenweise sehr unruhig? Hat dein Kind Angstträume, Alpträume, spricht im Schlaf oder knirscht oft mit den Zähnen(typisches Spannungszeichen)? Schreck es nachts manchmal auch mit weit aufgerissenen Augen hoch und weint bitterlich, phantasiert wild und ist fast nicht zu beruhigen? Und wenn es dann endlich wieder einschläft, kannst du nicht mit Sicherheit sagen ob es richtig wach war. Ist es dir unklar, ob dein Kind dich erkennt in solchen Momenten? Schenkst du dieser Reaktion besondere Bedeutung und welche? Löst es in dir die Sorge aus, dass etwas nicht in Ordnung ist mit deinem Kind? Zeigt dein Kind dir am Tag seine/ ihre Angst, wie erkennst du sie? Sagt es dir: “Ich habe Angst, Mama/ Papa” und wie reagierst du darauf? Oder fragst du dich, wieso dein Kind tagsüber oft unsicher und unwohl auf dich wirkt.

Dieser Blog erzählt von meiner Geschichte. Ich war ein sehr ängstliches Kind, in meiner Familie gab es nicht viele Handlungsstrategien, wie man mit “beängstigender ;-)” Angst umgehen kann. Dies hat bedeutet, das ich oft sehr alleine mit diesem Gefühl da stand. Einige Aussagen tönten z.B. so: “Da musst du keine Angst haben…..!”, “Jetzt tu nicht so, das ist ja nicht so schlimm.” “Nicht das schon wieder, mach jetzt mal vorwärts!” oder “Das kommt schon wieder gut, sei jetzt mal nicht so zimperlich.” So erlebte ich die Angst als Kind, als sehr lähmend. Ich entwickelte Ein- und Durchschlaf Schwierigkeiten. Ich litt unter meinen eigenen furchterregenden, inneren Bilder, die es mir schwer machten einschlafen zu wollen. Die immer wiederkehrenden inneren Angstbilder ängstigten mich und hielten mich gebannt gefangen, wie in einem Teufelskreis. Erst im Erwachsenen Alter lernte ich
1. meine Angst bewusst wahr zu nehmen
2. mich nicht mehr hilflos und ohnmächtig, in tausendundeiner Alltagssituation zu fühlen
Ich glaube viele Kinder erleben ähnliche innere Konflikte, da Angst in unserer Gesellschaft für viele Menschen ein Schatten Gefühl ist. Ich will Eltern Informationen und Praktiken an die Hand geben, die es Möglich machen, sich im Umgang mit der Angst grundlegend neu auszurichten.


Was passiert bei Angst im Körper

Wenn bei einem Kind Angst ausgelöst wird z. B. durch das Summen einer Wespe, spürt es, z. B. dass sich seine Nackenhärchen aufstellen. zeitgleich entstehen Gedanken dazu z.B. Wespen sind für mich gefährlich. Ich will das nicht…. In dieser Stressreaktion wird Adrenalin (erhöht Blutdruck, Blutzucker, und Herzschlag) und Cortison(führt zu Schwitzen, die Verdauung verlangsamt sich da vermehrt Blut in die Muskeln geleitet wird, und der Blutzucker steigt um vermehrt Energie bereit zu stellen)ausgeschüttet. Das Kind möchte fliehen, angreifen oder gibt auf. Jedenfalls will es einen Weg finden diese Unwohlsein auf die bestmögliche Art zu bewältigen.

Die Angstschwelle

Je mehr innere Anspannung und Erregung ein Kind erlebt; Umso öfter und schneller wird Angst ausgelöst. Das heisst am Beispiel von der Wespe, je nachdem wieviel innere Spannung und Erregung mit einer “schlechten”(schmerzhaften) Erfahrung erfahren wird – oder generell am selbigen Tag schon durch andere Stress auslösende Erfahrungen aufgebaut wurde, umso eher reagieren Kinder mit Angst.
“Apropos Wespen da wurde erforscht, dass die eher angreifen wenn jemand Angst hat. Da die auf das Adrenalin, wie auf einen Angriff und Verteidigung reagieren.”

 

Wie sich Angst in Vertrauen wandelt


Keine Angst vor der Angst, thematisiere sie.

Überleg dir: Was macht mir Angst und wie gehe ich damit um, überspiel ich sie und wie zeige ich Angst, ev. gleichzeitig authentisch in meinem Körperausdruck. Frag dich auch, wie wurde mir als Kind begegnet, wenn ich Angst hatte. Das beeindruckt mich immer wieder, wie schnell mein Kind Ängste von größeren Kindern und Erwachsenen, auch mir!, übernimmt. Oft sind das dann die gleichen Angstbilder, die das ältere Kind oder die Erwachsenen, selbst kennen und nicht bewältigen können! Ja, Kinder sind gute Spiegelbilder von uns; u.a. durch Nachahmung entwickeln sie ihr eigenes Verhalten.
Wenn du Angst bei deinem Kind wahrnimmst, verbind dich als erstes mit dir und dann mit mit deinem Kind und nimm Augenkontakt auf. Benenne die Angst, z. B. “ ich spür du hast Angst”oder eben auch „ich habe Angst“. Kleineren Kindern kannst du so helfen ihre Gefühle wahrzunehmen und zu verstehen und Erfahrungen bewusst zu integrieren. Ältere Kinder können oft auch schon erkennen/ benennen was  Angst macht. Du kannst auch eine direkte, offene Frage stellen. z.B. „Ich sehe das du dich gerade unwohl fühlst, hast du dich gerade eben erschrocken? Und wenn ja, magst du mir etwas dazu sagen?“ Achte dich mal bewusst auf die Angst, versuch sie zu hören, anzunehmen ohne sie verändern zu wollen. So kann dein Kind lernen, dass die Angst o.K. ist. Das sie Da sein darf, sich auch wieder verändert. Dass sie, wie alle Gefühle, kommt, sich aufbaut und wieder vergeht. Wie eine Welle. Dein Kind kann so erfahren, dass es normal ist, diese Gefühl zu haben. Wenn es sogar “die “Erwachsenen” kennen. Das ist das Größte, was wir meiner Meinung nach unseren Kindern schenken können. Bei meiner zweiten Tochter war eins ihrer ersten Worte “ang”. Wenn sie das gesagt hatte, konnte ich sie viel besser abholen, da wo sie gerade stand. Nie würde ich sie dann forcieren z. B. trotzdem eine Rutschbahn hinunter zu rutschen. Oder die Seite im Bilderbuch mit den beängstigenden Augen gegen ihren Willen anzuschauen. Oder die Nachbarin, die ihr Angst macht, sie knuddeln lassen. Ich kann ihr “Nein”, so besser verstehen, nachvollziehen und respektieren.

Wohin du mit Angstbilder gehen kannst.

Nutze die beängstigenden Vorstellungen, die dein Kind äußert, um sie als Schlüssel zu der inneren Wirklichkeit deines Kindes anzuerkennen. Wir erzählen uns abends vor dem Einschlafen manchmal, was wir schwierig finden und spinnen dann lebhaft mit unserer Phantasie die Geschichten bis zum Ende aus, bis zu einem „Happy Ende“bzw. tröstlichen Ausgang. Denn viele Angst Bilder sind auch Spiegel unserer inneren Grenzen, wenn etwas noch nicht zu Ende gedacht werden kann und noch keinen Sinn für uns macht. Wir erzählen uns abends im Rückblick das Geschehen des Tages und benennen unsere erlebten Gefühle. Aus der Distanz sind viele Ängste viel weniger bedrohlich! Und können gut thematisiert werden. Bilderbücher können da auch eine sehr gute Hilfe sein. Meine fünfjährige Tochter liebt das kleine Büchlein, “der Seelenvogel” von Michal Snunit. Das die verschiedenen Gefühle als Vogel illustriert. Wenn dein Kind Angstträume hat ist auch das “Traumfresserchen” Bilderbuch von Michael Ende empfehlenswert oder die Heule Eule vom P. Friester/ Nord-Süd-Dialogs Verlag, bei Trennungsangst.

Hilfsfiguren/ Mutrituale/ Wehrimpulse
Gestaltet eine Gestalt, die lachen, weinen, wüten, sich fürchten, und das z. B. mit Kopf hochstecken oder hängen lassen, zeigen kann. Singt gemeinsam Mutmachlieder, macht gemeinsam einen farbenfrohen und glitzernden Mutstab, einen kleinen Schimpf-Troll aus Filz oder ein Kraftschwert aus Holz. Oder Sorgenpüppchen, selbstgemacht oder von Guatemala, die dein Kind nachts unters Kopfkissen legen kann. Einen Traumfänger, eine Wohlfühl-Kuschel-Ecke, eine selbstgemachte Calendula Heil-und Wundersalbe oder ein ruhig Atmen Amulett. Spür dabei immer gut, was hilft deinem Kind, was macht ihm Spass und wo ist die Freude dabei. Lachen und Humor können liebevolle und erlösende Gegenkräfte, bei starken Ängsten sein! Vielleicht wird es sogar einmal möglich dass ihr gemeinsam euch böse Grimassen zu werft oder “gefährlich” das “Böse” weg brüllt….Die Phantasie ist grenzenlos, es ist unendlich Vieles möglich, je nachdem was dir am Herz liegt…das passt bestimmt. Ich habe als auch Kind selbst Rituale rausgefunden, wenn ich von weit auf mein Bett springe bin ich sicher vor dem Fuchs, der laut meiner Schwester darunter lag um mich zu fressen. Oder wenn ich die Puppenkleider gepackt in einem Koffer an mein Bett stelle, kann ich im Fall eines Feuers einfach das Deckbett aus dem Fenster werfen und so mich schnell retten.

Entdeckt gemeinsam einen innerer sicherer Ort, eine Personen die helfen kann.
Gibt es Momente und Situationen in denen du dein Kind sehr mutig erlebst. Oder nie oder viel weniger ängstlich? Dann tauscht euch auch darüber aus, oft reicht es schon es einfach wahrzunehmen oder zu spiegeln: “Ja, ich sehe dich in deiner Löwenkraft!”. Vielleicht entdeckt ihr auch innerlich etwas das besonderen Halt und Sicherheit gibt, ich hatte z.B. Den Abendstern der immer bei mir war und uns beschützte. Oder dein Kind sagt dir, wenn es dabei haben möchte wenn es in den beängstigenden Wald geht. Den Großvater, die Lore…..und kann  die Lore kann auch wirklich mal mit deinem Kind durch den Wald gehen. Und so ohne über die Angst zu sprechen, verbringt dein Kind ein tollen Tag zusammen mit jemandem Vertrauten, im unvertrauten, großen Wald. Die unbeschwerte, gute Erfahrung, mit einer angstauslösenden Situation ermöglicht es, zu erfahren, dass  trotz Angst etwas gewagt werden kann.

Das wünsche ich jedem Kind, das da ein erwachsener Freund ist
, der/die es gerne hat. Und gemeinsam mit ihm/ihr in einem Boot auf dem Meer der Angst segelt. Weil ich glaube zu wissen, dass wir alle dieses fundamentale Gefühl kennen. Wenn du dich mit deinem Kind überfordert, hilflos, fühlst. Und dies Sorgen bei dir auslöst. Oder dein Kind verunsichert und ängstlich erlebst. Dann mach jetzt einen ersten Schritt und nimm Kontakt mit mir auf.

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